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13Mai2014

Todesfall im Unternehmen – was tun?

  • By uwelzel
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Trauert ein Mitarbeiter um ein Familienmitglied, verstirbt ein Kunde des Unternehmens oder gibt es einen Todesfall im Unternehmen stehen Führungskräfte vor gewaltigen Herausforderungen.

 

Finden die Mitarbeiter im Trauerfall eventuell noch emotionale Hilfe in ihrer Familie und/oder in ihrem sozialen Umfeld, so wird es mit der Hilfe am Arbeitsplatz häufig sehr schwierig. Da im Arbeitsumfeld Themen wie Produktivität, Umsatz und das Funktionieren im Vordergrund stehen, ist es sinnvoll andere Hilfsparameter als im privaten Umfeld anzusetzen. Von Arbeitnehmern wird erwartet, dass sie in allen Lebenslagen volle Leistung erbringen. In Phasen der Trauer gelingt das selten. Arbeitgeber können nicht erwarten, dass nach einer dreitägigen Pause, der Arbeitnehmer wieder zu 100% funktioniert.

 

Die große Bedeutung von Fachkräften für Unternehmen ist hinlänglich bekannt. Trotzdem stehen Führungskräften aus der Unternehmensleitung, Personalwesen, Betriebsrat oder Abteilungsleitung oft vor der Herausforderung, die richtigen Worte und Lösungen für die jeweilige Situation zu finden. Dahinter steht das Ziel, den Arbeitnehmer so schnell wie möglich zurück zur vollen Produktivität zu führen.

 

Häufig sehen sich die Kollegen mit Verspätungen, Krankschreibungen oder emotionalen Reaktionen des Trauernden konfrontiert. Nimmt die Fehlerquote des Trauernden zu, hat das oft negative Auswirkungen auf die direkten Kollegen, das ganze Team oder bei Großereignissen auf die gesamte Belegschaft.

 

Fällt ein Mitarbeiter gesundheitlich bedingt für längere Zeit aus, haben beide Seiten mit Umsatzeinbußen zu rechnen. Das Mittelstandbarometer von Ernst & Young beziffert die Höhe der Umsatzeinbußen in Deutschland auf 30 Milliarden Euro. Studien der DAK gehen von Umsatzeinbußen allein bei „psychischen Störungen“ von 13 -15 Milliarden Euro aus.

 

Aus Sicht von Führungskräften stellen trauernde Angestellte oft gar einen Störfall für den reibungslosen Betrieb dar.

Wie oft kommt dieser „Störfall“ vor?

Pro Jahr versterben durchschnittlich 841.000 Menschen in Deutschland[1]. Im berufsfähigen Alter versterben durchschnittlich 133.000 Menschen pro Jahr. Immer noch ignoriert werden durchschnittlich 113.000 Fälle von Fehlgeburten unter 500 Gramm. Die „Sternenkinder“ konnten vor dem 1. Juni 2012 oftmals nicht offiziell beerdigt werden.

 

In diesen Fällen stellen sich viele Fragen:

 

Wie gehen wir als Unternehmen mit dem Vater und/oder der Mutter bei der Rückkehr ins Unternehmen, ins Team und an den Arbeitsplatz um?

Wie komme ich als Führungskräfte mit der Mitarbeiterin ins Gespräch?

Welche Hilfen können wir als Unternehmen anbieten?

… und viele Fragen mehr

 

Die Abteilungsleitung, die Führungskraft und der Betriebsrat sind oft erste Ansprechpartner für den Trauernden. Auch wenn Trauer die natürliche menschliche Reaktion auf Verlust ist, stellt sich die Frage: Wie gehen Führungskräfte mit der individuellen Trauer- und Verlustsituationen am Arbeitsplatz um? In Zeiten des Fachkräftemangels gilt es umso mehr, Mitarbeiter auch in den sehr schweren Lebenssituationen in einem trauerfreundlichen Umfeld zur Seite zu stehen.

 

Darauf sind Führungskräfte in aller Regel nicht vorbereitet! Trotzdem ist es sinnvoll für Trauerfälle im Unternehmen Lösungen parat zu haben. Führungskräfte sollten lernen mit dem Trauernden wertschätzend umgehen zu können, ohne Berater oder Therapeut zu sein.

 

Das fängt schon bei der Kondolenz an, die nicht floskelhaft erscheinen darf. Weitere Punkte sind die angemessene Gesprächsführung, erarbeiten von individuellen Hilfsangeboten, wie auch nach langen Abwesenheitszeiten die sinnvolle Wiedereingliederung des Mitarbeiters.

Schwerstarbeit für die Unternehmenskommunikation

Für die Unternehmenskommunikation bedeutet ein Trauerfall oft Schwerstarbeit. Es betrifft die interne wie externe Kommunikation. Speziell die externe Kommunikation sollte auf allen Plattformen (Website wie Social-Media-Kanälen) koordiniert und abgestimmt sein. Empfehlenswert ist, einen Ansprechpartner auszuwählen der die gesamte Kommunikation aufbaut, kontrolliert und freigibt. Der Außenauftritt wird ausschließlich durch eine Person aus der Geschäftsleitung wahrgenommen. Ansonsten kann die Reputation des Unternehmens gefährdet sein. Jeder vermiedene „Shitstorm“ ist ein Pluspunkt.

 

Statistiken besagen, dass pro Trauerfall 5 -10 Personen intensiv um den Verstorbenen trauern. Rechnet man mit nur fünf trauernden Personen pro Todesfall, reden wir von 4,25 Mio. trauernden Menschen pro Jahr. Bei 41 Mio. Beschäftigten in Deutschland ist das ein Anteil von über 10%.

 

Die Zahlen belegen sehr gut, dass sich Unternehmensleitungen, HR-und Kommunikationsprofis wie auch Führungskräfte mit dem Thema Trauer am Arbeitsplatz beschäftigen sollten.

 

Sinnvoll kann es sein, externe Hilfe zu holen. Bei Betriebsunfällen kommt es z.B. immer wieder vor, dass sich die Unternehmensleitungen mit schweren Vorwürfen der Mitarbeiter konfrontiert sehen.

 

Wie sind Sie in Ihrem Unternehmen auf Trauerfälle vorbereitet?

 

Wie ist Ihre Vorgehensweise bei Trauerfällen?

 

Welche internen und externen Kommunikationslösungen halten Sie bereit?

 

 

 

[1] statistisches Bundesamt 2011

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